Runter von der Autobahn

…oder: Warum wir die Landstraße bevorzugen

Ständig stehen wir im Stau. Ständig wird die freie Fahrt durch Baustellen behindert. An uns rauscht die Umgebung nur so vorbei. Schon wieder ein Drängler von hinten. Der ständige Blick in den Rückspiegel lässt uns nervös werden. Bei jeder Pause bemerkt man schnell, wie anstrengend es ist, unterwegs zu sein. Schwitzige Hände am Lenkrad, durchnässte T-Shirts. Warum tut man sich das an? Nur um schnell am Zielort zu sein? Erschöpft vom Tunnelblick? Wir befinden uns auf der Autobahn.

Okay, nun mal langsam. Angefangen hat alles mit meinem ersten Roadtrip. Ich wollte den Kopf frei bekommen und neue Gegenden entdecken. Also war das oberste Credo für mich: Fahre nur auf der Landstraße. Gesagt, getan. Ich packte meinen Van und gab diverse Ziele in mein Navi ein. Eine Rundreise durch Deutschland sollte es werden, mit dem Ziel, ein paar Freunde zu besuchen, die sich verstreut im ganzen Land befinden. Nach der Frage, welche Route ich fahren wolle, bekam das Navi die Antwort: „Is mir egal, Hauptsache nur Landstraße!“ Und schon ging es los. Ich hatte viel Zeit eingeplant aber noch keine richtige Vorstellung, wann ich wo sein wollte. Vor der langen Tour und den ständig wechselnden Geschwindigkeitsbegrenzungen hatte ich ein wenig Respekt.

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Doch es stellte sich schnell als eine lebensverändernde Maßnahme heraus. Schon nach kurzer Zeit bekam ich ein Gefühl von Freiheit. Es fühlte sich wie ein richtiger Roadtrip an – wie in den amerikanischen Filmen „Thelma und Louis“, „Easy Rider“, „Little Miss Sunshine“ und meinem absoluten Favorit „Elisabethtown“. Es war ein Sich-treiben-lassen ohne den Blick für die Umgebung zu verlieren. Und manchmal stoppt man einfach, weil man so begeistert ist von einem schönen Dorf, einer Sehenswürdigkeit, einem Fleck in der Landschaft. Man hat das Gefühl, mitten im Leben zu sein und nicht nur einfach daran vorbeizufahren. Durch das Fahren auf Landstraßen kann ich die Menschen in ihren alltäglichen Erledigungen beobachten oder sogar an Festivitäten teilhaben, kann sehen wie sich die Natur mit jedem Kilometer verändert und neue Orte freigibt.

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Auch die Möglichkeit zu haben, jederzeit anzuhalten und auszusteigen, ist phänomenal. Sich den hiesigen Gebräuchen und Nahrungsmitteln hinzugeben. Man hat das Gefühl, die Welt völlig neu zu entdecken und mit anderen Augen zu sehen. Und am Ende des Tages meint man eine Weltreise gemacht zu haben, obwohl es nur wenige hundert Kilometer waren.

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Probiert es selbst einmal aus. Ob auf dem Weg zur Arbeit, dem Wochenendtrip zur Familie oder sogar im Urlaub. Plant auf eurer Fahrt ans Meer einfach mal einen Tag mehr ein. Meidet die Autobahn und nutzt die Straßen und Wege durch unser schönes Land. Haltet die Augen weit offen und lasst euch inspirieren von den unfassbar vielen braunen Schildern, die auf ein kulturelles Highlight hinweisen. Nutzt die Zeit und haltet genau dort mal an! Nehmt euch 10 bis 15 Minuten und entdeckt eure Umgebung neu! Ihr werdet schnell bemerken wie erholsam und entspannend eine lange Autofahrt plötzlich sein kann. Und habt ihr euer Ziel erreicht, könnt ihr mehr erzählen als jemals zuvor.

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Wir fahren seither nur Landstraße und planen dafür auch immer etwas mehr Zeit ein. Denn bekanntlich ist der Weg das Ziel.

Gute Fahrt!

 

 

2 Kommentare

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  1. Ich gebe euch absolut Recht! Der Weg ist das Ziel und entschleunigt uns und unseren eh schon stressigen Alltag ungemein!
    Danke für diesen Beitrag 🙂

    LG
    Magdalena

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