Tempolimit 130 km/h – ein Selbstversuch

oder: Warum wir für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen sind

Schon seit Längerem beschäftigt sich die Politik in Deutschland mit Tempolimits auf deutschen Autobahnen. Ständig gibt es Diskussionen, und man bewirft sich gegenseitig mit den neuesten Studien zu Unfallstatistiken und Auswirkungen auf die Umwelt. Doch es gibt bis jetzt noch keine eindeutige Lösung für das Problem. Was auch durchaus an dem großen Einfluss der deutschen Autoindustrie auf die Politik liegen kann.

Wie wir in einem anderen Beitrag (Runter von der Autobahn) schon beschrieben haben, fahren wir lieber gern auf der Landstraße. Aber häufig ist die Autobahn der schnellere Weg, wenn es um die alltäglichen Pendelfahrten geht. Dabei fiel uns auf, dass es immer mehr Staus, schnellere Autos und aggressives Fahrverhalten gibt. Doch woran liegt das? Warum lässt es sich in Holland, Belgien, Schweden, Italien, Schweiz, Österreich und eigentlich allen anderen Ländern in Europa angenehmer und gechillter fahren als hierzulande? Ein Selbstversuch musste her. Man kann nicht diskutieren und verzweifelt nach Pro und Contra googeln, wenn man es nicht selbst erlebt hat, was es bedeutet, mit limitierter Geschwindigkeit zu fahren.

Schnell fahren kann jeder, und das haben wir schon jahrelang so praktiziert. Bevor wir den Van hatten, haben wir Autos mit viel PS gefahren, mit denen Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h kein Problem waren. Ja, es gab auch schon mal ein Fahrverbot und hier und da ein Pünktchen. Jeder weiß, wie hoch der Stresspegel durch schnelles Fahren steigt. Der Blick nach vorn wird zum Tunnelblick, die Hände werden feucht, die Aufregung nimmt zu. Das Gefühl, dass man fliegt und so Kilometer schneller abspult, ist riesig und befriedigend. Doch ist man wirklich in nullkommanichts am Zielort? Oder setzt man sich und andere Verkehrsteilnehmer nicht eigentlich nur sinnlos einer größeren Gefahr aus?

Also üben wir uns nun im Langsamfahren: Wir halten uns an jegliche Geschwindigkeitsbegrenzung und fahren auf Autobahnen maximal 130 km/h.

Was als erstes auffiel, war das entspanntere Reisen. Es stellt sich eine Art Flow ein, in dem man das Gefühl hat, eher zu segeln als Auto zu fahren. Kleinere Ablenkungen wie ein Blick aufs Navi oder aufs Radio sind wesentlich unproblematischer. Zwei Sekunden Ablenkung bei einer Geschwindigkeit von 200 km/h bedeuten 120 Meter zurückgelegte Strecke ohne ein Blick auf die Straße. Das ist erschreckend, aber ein häufiger Fehler, den viele machen, da die Ablenkung durch Handys in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist!

Der nächste große Vorteil ist das Sprit sparen. Wir haben mit unseren Van eine Ersparnis von fast 4 Litern erreicht, wenn wir uns auf 100 bis 120 km/h beschränken. Das ist unserer Meinung nach enorm, weil wir somit fast 100 Kilometer pro Tankfüllung weiter kommen. Und Spritsparen bedeutet gleichzeitig weniger Abgase und somit weniger CO2-Ausstoß. Kraft kommt von Kraftstoff. Die Autoindustrie belegt allerdings ihre Studien damit, dass der CO2-Ausstoß mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung nur 3% nach unten gehen würde. NUR? Wir finden das schon sehr beachtlich. Und es wäre wieder ein kleiner Schritt Richtung Umweltschutz.

Wir haben auch das Gefühl, dass sich der eigentliche Verkehrsfluss verbessert! Wir können uns schneller und vorausschauender auf Verkehrsveränderungen einstellen. Sei es die plötzlich auftretende Baustelle oder ein Stau. Ein heftiges Abbremsen ist absolut nicht mehr nötig. Überhaupt steht man viel weniger auf dem Bremspedal, als wenn man rasend auf der linken Fahrbahn verbringen würden. Auch auf den Verschleiß des Autos wirkt sich das gemäßigte Fahren auf Dauer positiv aus.

Es ist schon seltsam, dass nur wir in Deutschland kein Tempolimit haben. Es fühlt sich anderen Ländern gegenüber irgendwie sehr egoistisch an. Als wären wir der Angeber der Schulklasse. Fakt ist: Gäbe es die Geschwindigkeitsbegrenzung, bräuchte man keine großen Motoren mehr. Die Autoindustrie müsste umdenken, was auch Auswirkungen auf den Ölverbrauch auf der ganzen Welt hätte. Und das will niemand von den großen Lobbys. Und wieder merkt man, wer eigentlich die Strippen zieht auf diesem Planeten. Um das zu ändern, können nur WIR etwas ändern.

Probiert es doch einfach mal aus! Fahrt strikt maximal 130 km/h und schaut, was passiert! Achtet im Ausland mal auf den Autobahn-Verkehr, und macht euch selber ein Bild davon, wie es funktionieren kann. Und wieder sind es wir, die das Zepter in der Hand haben und als große Gemeinschaft etwas verändern und bewegen können. Wir müssen nur irgendwann mal anfangen.

Hier noch ein paar Links zur Meinungsbildung:

Das Pro für ein Tempolimit

Die Contra Seite

Zehn Fragen und Antworten zum Tempolimit

„Die Freaks sind wir“

 

4 Kommentare

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  1. Moin Moin,

    Ich kann alle deine Argumente vollständig unterstützen.
    Ich selbst , früher auch viel beruflich und unter Termindruck mit dem Auto unterwegs. Aber sobald ich in meinem Bus gestiegen bin und auf Urlaubsmodus losgerollt bin ist sofort Entspannung angesagt. Damit lassen sich dann für mich auch problemlos Etappen von bis zu 800 km zurück legen.
    Übrigens wenn ich abends in Hamburg losfahre überholen mich auf dem Weg nach München die Lambos und Porsches immer dreimal aufgrund ihrer Tank- und Raucherpausen.
    Gruß,
    Bene

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  2. Servus!

    Leider unterschätzen viele die positiven Auswirkungen vom langsameren fahren! Neben dem deutlich sinkenden Stresslevel spart man wirklich kontinuierlich beachtliche Mengen an Sprit, wenn man nicht wie verrückt auf der linken Spur mit 190 km/h von Stau zu Stau rast. Und wer langsamer fährt, verliert in der Regel, selbst auf längeren Strecken, nur wenige Minuten an Zeitvorteil.

    Schön, dass ich nicht der einzige bin, der am langsameren, spritsparenderen Fahren Gefallen gefunden hat! 🙂

    LG

    Ben

    Gefällt 1 Person

    • Hey Ben, nein wie mir scheint sind wir nicht die einzigen die so denken. Ich möchte den Leuten zeigen das sie es einfach mal probieren sollen. Ein Selbstversuch sozusagen…denn erst wenn man selber eine positive Erfahrung macht kann sich etwas bewegen. Ich danke dir für deinen tollen Kommentar!

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