Minimalismus – ein Selbstversuch

oder: Warum will ich mich verkleinern

Seit Längerem schon gehen mir einige Fragen durch den Kopf: Kann man in einem Van leben? Kann man sich auf das Nötigste reduzieren? Ist man dann noch glücklich? Wie viele Dinge braucht man um glücklich zu leben?

Um diese Fragen zu beantworten, habe ich mich als Erstes vor den Laptop gesetzt und diverse explizite Fragen in die Suchleiste eingegeben. Dabei stößt man immer häufiger auf der Begriff „Simplify your Life“ und bemerkt schnell, was für eine Geldmachmaschine hinter diesem einfachen Satz steckt. Bücher, PDFs, eBooks im Abo, um nur einige Dinge zu nennen, die man sich kaufen kann. Doch ist das der richtige Weg zu einem minimalistischen Leben? Doch wieder Geld für etwas auszugeben, was  sowieso auf dem Dachboden oder in den Tiefen der Festplatte landet? Ich muss also meine Taktik ändern und mir erst einmal bewusst werden, was es per definitionem bedeutet, seinen Konsum zu minimieren.

[1] allgemein: Haltung, sich auf möglichst wenig zu beschränken

[2] Kunst, Literatur, Musik: unterschiedliche Ausprägungen der Darstellung in den verschiedenen Künsten mit einer Grundtendenz zur Reduktion/Vereinfachung

… so wird das Wort Minimalismus erklärt. Kommen wir nun zur Definition im Sinne von Lebensstil.

Einfaches Leben (englisch simple living), auch freiwillige Einfachheit (engl. Voluntary simplicity), Minimalismus oder Downshifting genannt, bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht. Konsumkritische Menschen versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen. Gelegentlich wurde der Lebensstil mit dem Akronym LOVOS abgekürzt (englisch Lifestyle of Voluntary Simplicity); manche einfach Lebende gelten als Aussteiger. (Quelle Wikipedia)

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Aha … also eine Alternative zur Konsumgesellschaft. Hört sich vernünftig an, und man soll nicht über etwas urteilen, was man nicht kennt. Und so mach ich mich auf und gehe durch meine Wohnung. Erst einmal muss ich herausfinden, von was ich zuviel besitze, welche Dinge ich gar nicht brauche, was auf dem Dachboden herum liegt. Dabei tun sich direkt wieder Fragen auf.

Brauche ich den riesigen Fernseher? Warum hab ich 15 Handtücher? Mit der Menge an Geschirr könnt ich hundert Leute einladen! Wie viele Klamotten in meinem Schrank trage ich überhaupt? Dinge, die auf dem Dachboden liegen, brauche ich doch eigentlich gar nicht? Hilft mir mein Staubsaugerroboter, oder ist das Quatsch, weil ich sowieso alle zwei Tage sauge?

Mir fällt auf, dass ich viele Dinge besitze, die mir Zeit rauben. Zeit, die ich benötige, um mich um die wichtigen Dinge des Lebens zu kümmern. Der Fernseher scheint mich abends entspannen zu müssen. Doch bei dem täglichen Angebot an systematischem Schwachsinn an Sendungen und Werbung rege ich mich sowieso nur auf und komme eigentlich erst recht nicht zur Ruhe. Also ist er wohl der Erste, der aus meiner Wohnung gehen muss, und auch der Teil, der am schwierigsten ist! Sehr schwierig, wie mir nach reiflicher Überlegung auffällt. Vielleicht doch lieber klein anfangen? Wie fängt man überhaupt an? Wieder muss das Internet herhalten, und ich versuche mich durch Blogs von Minimalisten zu kämpfen und eine Liste über die für mich beste Vorgehensweise zusammenzustellen:

Fange klein an – beginne mit Dingen, die du definitiv nicht brauchst!

Wo die Trennung leicht fällt – also Sachen, die dich nicht emotional binden.

Kleine Schritte – lieber nur 15 Minuten am Tag als komplett einmal entrümpeln.

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Diese drei Tipps sollten mir erst einmal helfen, einen Start zu finden und mich an das Entrümpeln zu gewöhnen. Und irgendwie fühlt sich der Gedanke daran schon toll an, nur das Nötigste zu besitzen und sich auf die einfachsten Dinge im Leben zu besinnen. Ein Spaziergang, eine Unterhaltung, ein gutes Buch oder einfach nur ein Moment der Ruhe. Haltet mich für esoterisch oder verrückt, aber für mich ist es der Weg zu mir selbst. Und nur wenn ich selber mit mir im Reinen bin und mich absolut wohl in meinem Körper und meiner Seele fühle, kann ich Positives in die Welt tragen und dauerhaft etwas verändern.

Ich beginne jetzt damit und werde weiterhin über meine Erfahrungen berichten. Vielleicht kann ich irgendwann glücklich auf fünf Quadratmetern leben, und wenn nicht, so bin ich doch um eine Erfahrung reicher.

 

2 Kommentare

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  1. Toll geschrieben! Mir ging es ähnlich wie dir, als ich angefangen habe, meine Wohnung zu entrümpeln (vor dem Umzug in den Van). Als erstes flog der Fernseher raus, das war super – plötzlich hatte ich abends total viel Zeit zum entspannen, nachdenken, lesen… und entrümpeln (auch im Kopf).
    Und falls dir das irgendwie hilft, kann ich ja schon mal verraten: ja, man kann mit wenigen Dingen im Van leben und glücklich sein. Also bei mir klappt’s auf jeden Fall. Ich hab‘ derzeit sogar das Gefühl, dass ich immer noch zu viel Kram dabei habe, den ich eigentlich gar nicht brauche… 😉
    Viel Erfolg & Spaß beim weiteren „Minimieren“!

    Gefällt 1 Person

    • Vielen lieben Dank für deinen tollen Kommentar. Es läuft gerade ganz gut…der Fernseher ist es irgendwie noch nicht, aber ich fange klein an und arbeite mich nach oben. Bis jetzt fühlt es sich wirklich toll an und man spürt, wie sich langsam ein befreiendes Gefühl einstellt. Ich bin gespannt wo das noch hinführt.

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