Expedition Happiness – ein Kinobesuch

oder: Meine erste Filmkritik

Als passionierter Camper und Vanlifer kommt man um den Film „Expedition Happiness“ nicht herum. Schon Monate vor der Ausstrahlung wurde ein großer Wind um diese Dokumentation gemacht, daher war die Vorfreude umso größer. Also ab ins Kino! Und es passt wohl nichts besser, als diesen Film in einem Open Air Kino zu genießen. Schon vor dem Kinobesuch habe ich mich ein wenig im Web umgeschaut, gelesen und recherchiert. Man bemerkt schnell, dass die Meinungen da weit auseinander gehen. Aber ich bilde mir lieber eine eigene Meinung.

Im Trailer zum Film könnt ihr euch nochmal einen kurzen Einblick verschaffen. Auch auf der Facebookseite erfahrt ihr alles über die beiden Hauptdarsteller, außerdem gibt es Videos und Termine über die Ausstrahlung.

Ich will direkt anfangen, denn ich bin nach anderthalb Stunden mit vielen Fragen und Diskussionsstoff aus dem Kino gegangen. Schon in den ersten fünf Minuten des Films wird man doch eher im Unklaren gelassen. Warum machen die beiden das Ganze? Wie kommt man auf diese Idee? Was bedeutet Happiness für die beiden?

Schnell wird der Schulbus zum Instagram-Luxusreisemobil umgebaut. Man erfährt auch hier nur spärlich, in welcher Höhe die Kosten lagen oder wie schwierig der Umbau war. Ein Gefühl der heilen Welt macht sich in mir breit. Ich selber habe schon einen Minivan umgebaut und weiß, wie kompliziert und zeitaufwendig so ein Umbau sein kann.

Und dann sind die beiden unterwegs. Schnell werden anhand einer unübersichtlichen Karte die Fahrtrouten aufgezeigt. Man sieht nur wenig aus der eigentlichen Reise und wird auf die tollen Naturaufnahmen gelenkt. Diese sind zugegeben wirklich atemberaubend schön. Das haben sie aber dem Umstand zu verdanken, dass die Natur selbst der Hauptdarsteller ist und sich immer von der allerbesten Seite zeigt. Auch hier macht sich in mir das Gefühl breit: sie zeigen nur die schönen Momente.

Im Laufe des Films spürt man leider zunehmend die Naivität der beiden. Es bedarf einer sorgfältigen Planung eines solchen Trips, und hier schlichen sich riesige Fehler ein, die dann sogar ein Weitermachen der Reise verhinderten. Angefangen beim Bus, der mit 13 Metern einfach viel zu lang ist, und mit dem man kaum durch Städte fahren kann, bis hin zum Hund, und das war für mich als Hundebesitzer völlig unverständlich. Wie kann ich einen Schweizer Bernarsennen Hund in die Wüste von Nevada schicken? Und mich dann wundern, dass er fast an einem Hitzschlag stirbt. Alleine nur die Flugreise ist für einen Hund eine riesige Strapaze. Es hat mir so unendlich weh getan zuzuschauen, was sie dem Hund zumuten. Erst nach 10.000 Kilometern bemerkten sie, dass ein Hund einen geregelten Tagesablauf braucht. Absolut unverständlich und eher eine reine Tierquälerei als alles andere. Und wo wir schon bei Natur und Tieren sind: Die beiden Hauptdarsteller bauen einen Bus, der 30 Liter auf 100 Kilometern verbraucht, und zeigen uns in Nationalparks ihre Naturverbundenheit, während der Kaffee aus ner Kapselmaschine kommt? Hier stimmt was nicht und das gewaltig.

Im Nachhinein habe ich den Eindruck, dass der ganze Film nur eine neue Art des Geldmachens ist. Nach längerer Recherche habe ich etwas über den finanziellen Hintergrund in Erfahrung gebracht: Der Bus kostete 8.000 Euro, der Umbau 40.000 Euro, der ganze Film 100.000 Euro. Meines Erachtens wäre das Geld besser in Hilfsprojekten angelegt, als in einer Dokumentation, die eher als kleiner Reisebericht verkauft werden kann. Dazu kommt, dass es viele Filme auf YouTube über Natur und Reisen gibt, die nicht nur schön und informativ sind, sondern auch noch kostenlos.

In „Expedition Happiness“ erfährt man leider nichts über das Glück, und das sollte doch eigentlich die Kernaussage sein. Spart euch bitte das Geld, setzt euch in euer Auto oder Wohnmobil und erfahrt selbst, was es heißt einen Roadtrip zu machen. Dazu brauchen wir keine zwei Möchtegern Hipster, die zum Geld verdienen fast ihren Hund gekillt hätten. Also alles in allem sehr enttäuschend, und mit meiner Meinung scheine ich nicht allein da zu stehen. Nehmt mir bitte meine direkte Art nicht übel, ich schreibe hier über MEINE Gefühle. Aus dem Projekt „Expedition Happiness“ hätte man einfach viel mehr herausholen können.