Zwei Wochen Wildcamping – ein Selbstversuch

oder: Wie funktioniert der Urlaubsalltag unter Minimalbedingungen?

Für diesen Versuch eignet sich kein Land besser als Norwegen. Hier ist Wildcamping noch erlaubt, genauso wie Feuer machen und angeln. Also bot es sich auf unserem Zwei-Wochen-Trip durch Mittelnorwegen an, einmal zu testen wie es ist, sich auf das Wesentliche zu reduzieren. Doch was bedeutet Wildcamping eigentlich?

Für uns Vanlifer gestaltet sich das Wildcampen ein wenig anders, als man es sich wahrscheinlich vorstellt. Wir haben ein festes Dach über dem Kopf, ein Bett – meistens mit richtiger Matratze – sowie eine Küche dabei. Manche haben sogar eine eigene Dusche und/oder Toilette. Von daher bedeutet Wildcampen für uns, im Wald, am Strand, auf dem Feld oder sonstwo in der Natur zu übernachten. Bloß nicht auf einem Campingplatz oder einem Wohnmobilstellplatz.

Also stand auch bei unserem Norwegentrip nur das Wildübernachten im Vordergrund. Das Suchen von traumhaften Plätzen, um der Natur so nah wie möglich zu sein. Und das haben wir geschafft! Zwei Wochen lang haben wir mindestens jede zweite Nacht an einem anderem Ort, einem anderen schönen Fleckchen Erde verbracht. Wenn man sich an ein paar Regeln hält (Wildcampenbeitrag), bekommt man auch keinen Ärger, und in Norwegen sowieso eher nicht.

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Die einzige Problematik, die wir hatten, war das Duschen und das Versorgen mit trinkbarem Wasser. Erst wenn man sich abseits der Zivilisation befindet, weiß man wie wichtig sauberes Wasser ist. Unsere Vorräte bestanden aus zwei 5-Liter-Kanistern und sechs Wasserflaschen, also 16 Litern Wasser. Wenn man bedenkt, dass jeder am Tag drei Liter Wasser trinken soll, und man etwas Wasser für das Zubereiten von Speisen benötigt, sowie die tägliche Pflege des Körpers, sind 16 Liter sehr knapp bemessen, was sich bei uns schon am zweiten Tag bemerkbar machte.

Mit ein bisschen Geschick ist aber das Besorgen von Wasser kein Problem. Unterwegs findet man immer wieder Rastplätze, an denen man sich mit Frischwasser versorgen kann. Tankstellen eignen sich nicht nur zum Kraftstoff tanken, sondern haben auch meist irgendwo einen Wasserhahn, an dem man zapfen darf. Anders ist es in freier Natur: Hier hält man Ausschau nach größeren Seen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit durch kleine Bäche gespeist werden. Diese sollten klar sein und der Untergrund steinig.

Ursprünglich enthielt unsere Darmflora die gleichen Bakterien, die auch in wildem Wasser vorkommen, so dass wir es gefahrlos trinken konnten. Durch unsere sterile Lebensweise haben wir die meisten von ihnen jedoch abgetötet. Wenn der Darm nun auf einen Schlag wieder mit diesen Bakterien konfrontiert wird, ist er damit so überfordert, dass er mit Durchfall und Erbrechen darauf reagiert. Also trinkt niemals Wasser aus Bächen, Flüssen oder Seen, ohne es zuvor keimfrei zu machen! Man sollte es abkochen oder durch einen Wasserfilter leiten.

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Lediglich frisches Quellwasser ist frei von Keimen und Bakterien und kann ohne Bedenken getrunken werden. Wasser fließt bergab – also liegt die Quelle bergauf! Gute Chancen eine Quelle zu entdecken, ist in der Nähe von Bergen oder Felsen. Also einfach mal der Spürnase vertrauen und einem kleinen Bachlauf bergauf folgen. Wir hatten so ein Glück und haben in der Nähe eines Sees direkt am Fuße eines hohen Berges eine Quelle aus der Erde sprudeln sehen. Perfekt um unsere Wasservorräte aufzufüllen und Wasser für die langersehnte Dusche mitzunehmen.

Duschen kann man kalt … muss man aber natürlich nicht. Wir haben das Wasser gekocht, in eine Gießkanne gegeben und mit kaltem Wasser vermengt, um die optimale Temperatur zu erreichen. Für einen Duschgang waren für uns fünf bis acht Liter ausreichend. Man kann natürlich auch Solarduschen nutzen. Da wir keine Sonne hatten, mussten wir allerdings auf den Gaskocher zurückgreifen. Die einfachste Lösung für eine unkomplizierte Dusche sind Strände. In einigen Abschnitten findet man so genannte Strandduschen. Hier ist zwar das Duschen mit Shampoo nicht so gern gesehen, aber wenn keiner  hinschaut und man auf die Naturverträglichkeit des Shampoos achtet, stellt das kein Problem dar.

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Wildcampen ist nicht die einfachste Methode um Urlaub zu machen, aber die spannendste. Spätestens nach drei Tagen hat man sich an den Minimalismus gewöhnt, und man hat Zeit diese Art des Reisens zu genießen. Wir haben uns anstecken lassen und werden häufiger so auf Tour gehen. Es spart nicht nur viel Geld, sondern bringt uns auch die Natur wieder näher. Probiert es mal aus, und ihr werdet sehen, wie gut es für Körper und Geist ist!

4 Kommentare

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  1. Danke für diesen tollen Beitrag… Sehr inspirierend 🖒😀

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  2. Das klingt sehr sehr schön! Ich bin ja auch meistens als „Wildcamperin“ unterwegs, möchte auf meine eingebaute Dusche / Toilette aber nicht verzichten. Sicherlich geht es auch ganz gut ohne, aber ich bin so ’ne Frostbeule – draußen duschen ginge nur bei mind. 30 Grad! 😉
    Gute Reise weiterhin & viele Grüße aus den Bergen irgendwo in Nordspanien!
    Mandy

    Gefällt 1 Person

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